Das Freitagsgedicht (52)

Am Ozean dem Stillen

Welch Großer Gesang
Und die Kordillieren verteilten sein Echo
Und die sich an Händen hielten wurden mehr und mehr
Und sie einte Weg und Ziel sie hatten frei gewählt
Und es schien Frieden mit denen die Krieg atmen 
denn Menschlichsein heißt auch irren.

Die Judasse aber nahmen Silberlinge
Die Generale gehorchten denen die das Geld gaben
Die befahlen tötet alle die ihre Stimme erheben
Die Treuen traf es zuerst
am Tagen als der Tod Allende fand 

Und der Poet dichtete nicht mehr
Und der Sänger sang nicht mehr
Und die Saiten der Gitarre schlug niemand mehr an
Aber im Echo lebte der Große Gesang weiter
Zwischen Schnee und Eis blickt der Gipfel des Cerro El Roble hoffend zum Himmel
denn nie gehört die Ewigkeit den Mördern

Das Freitagsgedicht (51)

Versteh mich

 ist es schlimm
wenn ich
nicht ich
sein möchte?
 du sagst
ja
doch wollte ich
ich sein
wäre ich
nicht ich
und du
müsstest mich
nicht so sehr
lieben weil
für mich

reichte ich mir

Bemerkt ...

Das ist doch mal was: Überraschend kam die Meldung, dass die Tageszeitung "Neues Deutschland" das Buch "Gemeinschaft der Glückssüchtigen" zur Kenntnis nahm und am 20.6. auf der Seite "Politisches Buch" folgende "Leseprobe" veröffentlichte (ob das ein Leser bemerkt hat?):

Hier schreibe ich – ich kann nicht anders. … Ich möchte einladen zum Be-Denken von Alternativen im Zusammenleben der Menschen. Schluss mit dem Glauben, es gäbe keine. Ihr müsst mir ja nicht folgen. … aber lest! Gerade ihr, die ihr meint, einer, der in der DDR aufgewachsen ist, der muss entweder den „Kommunismus“ restlos satt haben oder ein unbelehrbarer Sturkopf sein. … Ich wünsche mir die freieste, individuellste, menschlichste Gemeinschaft, die sich Menschen zum Zusammenleben gestalten können. Es graust mich davor, was passieren wird, wenn wir nicht rechtzeitig anfangen, sie zu schaffen: Wahrscheinlich vernichten wir unsere Existenz. Da muss man doch etwas tun … Nein, Herr Bundespräsident, ich kann mir „glückssüchtig“ nicht als Schimpfwort vorstellen. So wenig, wie ich mir wünsche, von meinen Kinder erfahren zu müssen, sie sind bei XY „im Kampf“ für … gefallen oder sie haben keinen „Job“ und damit kein Auskommen, ihr Leben zu fristen, überhaupt, sie seien „unglücklich“, so wenig wünsche ich das irgendeinem anderen Erdenbürger. Ich finde es richtig danach zu suchen, wie am besten gesichert werden kann, dass jeder sich als nützlich empfinden, das Gefühl haben kann, gebraucht zu werden, dass er rundum zufrieden ist, glücklich eben. ... Fangen wir an! Suchen wir die Stelle, von der aus wir nicht nur die vorhandene Welt in Frage stellen, sondern über ihren Tellerrand hinaus denken. Wer sich beschwert, meine „Philosophie“ reiche nur für einen Stammtisch, … dem sage ich, setz´ dich doch dazu! Philosophiert mit mir gemeinsam. Nur weil ich Wasser trinke, braucht ihr euch ja das Bier nicht zu verkneifen. Also Prost! Denken wir uns die Welt neu! Und dann machen wir sie uns so … ...

Das Freitagsgedicht (50)

Galaxis Ich


Du bist / ein Ich.
Bist du / mein Ich?
Ich falle / aus deinem
in meinen Rahmen.
Bist du / auch
wie ich dich sehe
in mir / oder bin ich
was ich / in dir sehe,
wenn ich mich male?
Ich bin / ein Nichts
ohne dich, / so wie du
ein Nichts bist / ohne mich.
Aber / indem ich sage,
ich bin ein Nichts,
bin ich,
weil ich mich liebe.

"Freiland" erobern - zur Erinnerung an die Bücherverbrennung vor 80 Jahren

Es gibt die verschiedensten Gedenkveranstaltungen an den Tag der Bücherverbrennung vor 80 Jahren. In Potsdam wird aus diesem Anlass die antifaschistische Bibliothek mit den vor 80 Jahren auf die Verbotsliste gesetzten Einzelwerken und in die antifaschistische Bewegung eingreifenden Werke im "Freiland" neu eröffnet. Nach der Hessestr. 19 soll nun die Friedrich-Engelsstr.22 zur einschlägigen Adresse werden - mit größerer Chance, weil hier schon linke Jugendgruppe einen Platz gefunden haben

Was schon nicht mehr erwartet worden war: Dort wird erstmals öffentlich die "Gemeinschaft der Glückssüchtigen"
vorgestellt ... wenn auch nur am Rande ...

Die gelben Schafe



Es gab einmal eine Zeit, da lebten friedlich weidender Schafe in einem abgelegenen Tal zwischen Bergen, die an sonnigen Tagen den Himmel kitzelten.
Eines Tages kamen dort drei Bergsteiger an, und weil sie hungrig waren vom langen Aufstieg und dem Abstieg in warmer Mittagssonne, nahmen sie einen Eispickel und schlachteten eines der ahnungslos grasenden Tiere. Zum ersten Mal seit Schafsgedenken wurde die wütend. Sie drängten sich eng aneinander, hielten Rat, was zu tun sei, und schon nach kurzer Zeit trampelten Schafsklauen auf die Bergsteiger zu, sodass diese in heilloser Flucht über die Berge davonrannten.
Nicht viel später aber kamen sie zurück, begleitet von drei Hunden. Die rannten um die Herde herum und wirkten sehr bedrohlich. Wo immer sich die Schafe zusammenfanden, um sich abzusprechen, wie sie sich wehren könnten, übertönte das Hundegebell ihr schüchternes Blöken und einzelne von ihnen wurden aus der Herde abgedrängt und von ihren Schwestern und Brüdern nie wieder gesehen. Es hieß nun, Schafe seien dafür da, dass Menschen etwas zum Essen hätten und um sich vor der kalten Luft zu schützen.
Eines Tages jedoch stritten sich zwei der Hunde um ein besonders schmackhaftes Stück Schafsfleisch, das ihnen die Schäfer hingeworfen hatten. Das nutzten die Schafe aus. Ein leises Blöken von Tier zu Tier machte die Runde und dann rannten alle gemeinsam auf den dritten, den einzigen Wache haltenden Hund zu, und ihr Trampeln war viel lauter, als der hätte ihnen Angst einflößend kläffen können. So geschah es, dass drei Schäfer und zwei Hunde über den Bergkamm flohen, und die Herde friedlicher Schafe den dritten Hund in einer Mulde begrub.

Irgendwann aber da kamen neue Schäfer, wieder begleitet von drei Hunden, die sie sorgsam an Ketten gelegt hatten. „Ihr lieben Schäflein“, riefen sie, „ihr werdet auf dieser Welt niemanden finden, der es besser mit euch meint als wir. Merkt ihr es denn noch nicht: Jetzt, wo die Sonne so fürchterlich brennt, schwitzt ihr gar jämmerlich. Euer Fell juckt und ihr wäret sicher glücklicher, wenn wir euch davon befreiten.“
Da vergaßen die Schafe die Zeit, als sie frisch geschoren bitterlich gefroren, und sie träumten davon, die Last ihrer Wolle abgenommen zu bekommen. Die Schäfer fuhren fort: „Und den Schmerz in euren Eutern können wir euch auch nehmen.“ Die Schafe sahen einander an. Ja, die Euter waren längst daran gewöhnt, immer wieder gemolken zu werden. Sie hatten mehr Milch, als die Lämmer soffen.
Wir möchten euch ja nur warnen“, fuhren die Schäfer mit weichen Stimmen fort. „Das Schlimmste für euch wären gelbe Schafe in eurer Herde. Schwarze kennt ihr und sondert sie aus. Aber gelbe?! Die müsste man unbedingt scheren und melken und ihre Lämmer schlachten und überhaupt bedürfen sie der Hunde, die ihnen im Auftrage kluger Schäfer zeigen, wohin sie laufen dürfen und wohin nicht, damit sie euch nicht verderben. Das seht ihr doch ein?“
Den armen Schafen wurde ganz unheimlich zumute: Gelbe Schafe … Wie bedrohlich das klang! Ja, gegen gelbe Schafe musste man etwas tun. Und so freuten sie sich auf den Schutz durch kluge Schäfer.
Entscheidet selbst“, beschworen sie die Männer, „wollt ihr, dass wir uns mit unseren Händen, unserer Schere und unseren Hunden um die gelben Schafe kümmern?“
Die Schafe aber, die noch nie zuvor von gelben Schafen gehört hatten, blökten zustimmend. Schon tauchten neue Bergsteiger zwischen den Gipfeln auf. Einer von ihnen wies sich aus als „Fachmann für schafspezifische Erkrankungen“, man dürfe ihn Arzt nennen und er werde nun ein Schaf nach dem anderen untersuchen. Jedes von ihm in Augenschein genommene Schaf aber bekam ein Zertifikat umgehängt. Darauf stand: „Gesund, aber farbenblind“.
Nun wurden sie, wieder einzeln, zum zweiten neuen Bergsteiger geschickt, auf dessen Visitenkarte stand: „Unabhängiger Spezialist im Institut zur Begutachtung visuell erkennbarer Abnormitäten in regional abgelegenen Schafspopulationen“, worunter sich keines der Schafe etwas vorstellen konnte. Jedem jedoch erklärte der Spezialist mit trauriger Stimme, aber was noch wichtiger war, er hängte es ihm als Schild um, damit es alle anderen Schafe lesen konnten: „Dieses Schaf ist gelb.“
Wie entsetzt betrachteten einander nun die Schafe! Mal schauten sie sich aufs Fell, mal auf jenes Dokument, das in verschnörkelter Schrift überschrieben war mit „Gutachten“. Noch vermeinten sie zwar, Ihresgleichen zu sehen, die weiß, wenn auch leicht verschmutzt waren, aber wenn dort stand, sie seien gelb, dann waren sie es wohl.
Wie leicht hatten es nun die Hunde, die sie und die anderen Schafe fürchtenden Schafe dorthin zu treiben, wohin die Schäfer sie haben wollten. Als die ersten Lämmer herangewachsen waren, bedurften sie des Gutachtens nicht mehr: Sie hatten längst gelernt, dass sie gelb waren – und was das bedeutete. Und sollte es eines nicht gleich glauben wollen, so wurde es geschlachtet oder es kam aus dem großen schönen Haus der Gutachters überzeugt zurück, gelb und farbenblind zu sein.
Und wenn sie nicht gestorben sind, … dann schlachten die Schäfer noch immer zu Ostern nur Lämmer mit gelbem Fell, und sie scheren Schafe, wenn auch nur noch zum Vergnügen für Nichtschäfer, denn die Zeit, da sie sich in die warme, aber grobe Wolle der gutmütigen Tiere hätten hüllen wollen, ist längst schon Vergangenheit .... 

Das Freitagsgedicht (49)



Bereicherung

Zwei Menschen haben mein Gedicht gelesen
von Armen und Reichtum auf dieser Welt.
Es half den beiden beim Genesen
vom Virus namens Jagd nach Geld.

Die Verse haben mir noch nicht gefallen,
die Reime waren weder rein noch gut.
Ich zeigte sie herum trotz allem.
Welch selbstgerechter Übermut.

Und dennoch sind sie nutzvoll angekommen.
Sie starben nicht im eitlen Kunstvergleich.
Schon der Versuch wurd' angenommen
und meine Freude macht mich reich. 

Wie fern ist doch die Kunst dem Leben,
denn Reichtum bringt, sie fortzugeben.