vorgestellt ... wenn auch nur am Rande ...
"Freiland" erobern - zur Erinnerung an die Bücherverbrennung vor 80 Jahren
Es gibt die verschiedensten Gedenkveranstaltungen an den Tag der Bücherverbrennung vor 80 Jahren. In Potsdam wird aus diesem Anlass die antifaschistische Bibliothek mit den vor 80 Jahren auf die Verbotsliste gesetzten Einzelwerken und in die antifaschistische Bewegung eingreifenden Werke im "Freiland" neu eröffnet. Nach der Hessestr. 19 soll nun die Friedrich-Engelsstr.22 zur einschlägigen Adresse werden - mit größerer Chance, weil hier schon linke Jugendgruppe einen Platz gefunden haben
Was schon nicht mehr erwartet worden war: Dort wird erstmals öffentlich die "Gemeinschaft der Glückssüchtigen"
vorgestellt ... wenn auch nur am Rande ...
vorgestellt ... wenn auch nur am Rande ...
Die gelben Schafe
Es gab
einmal eine Zeit, da lebten friedlich weidender Schafe in einem
abgelegenen Tal zwischen Bergen, die an sonnigen Tagen den Himmel
kitzelten.
Eines Tages
kamen dort drei Bergsteiger an, und weil sie hungrig waren vom langen
Aufstieg und dem Abstieg in warmer Mittagssonne, nahmen sie einen
Eispickel und schlachteten eines der ahnungslos grasenden Tiere. Zum
ersten Mal seit Schafsgedenken wurde die wütend. Sie drängten sich
eng aneinander, hielten Rat, was zu tun sei, und schon nach kurzer
Zeit trampelten Schafsklauen auf die Bergsteiger zu, sodass diese in
heilloser Flucht über die Berge davonrannten.
Nicht viel
später aber kamen sie zurück, begleitet von drei Hunden. Die
rannten um die Herde herum und wirkten sehr bedrohlich. Wo immer sich
die Schafe zusammenfanden, um sich abzusprechen, wie sie sich wehren
könnten, übertönte das Hundegebell ihr schüchternes Blöken und
einzelne von ihnen wurden aus der Herde abgedrängt und von ihren
Schwestern und Brüdern nie wieder gesehen. Es hieß nun, Schafe
seien dafür da, dass Menschen etwas zum Essen hätten und um sich
vor der kalten Luft zu schützen.
Eines Tages
jedoch stritten sich zwei der Hunde um ein besonders schmackhaftes
Stück Schafsfleisch, das ihnen die Schäfer hingeworfen hatten. Das
nutzten die Schafe aus. Ein leises Blöken von Tier zu Tier machte
die Runde und dann rannten alle gemeinsam auf den dritten, den
einzigen Wache haltenden Hund zu, und ihr Trampeln war viel lauter,
als der hätte ihnen Angst einflößend kläffen können. So geschah
es, dass drei Schäfer und zwei Hunde über den Bergkamm flohen, und
die Herde friedlicher Schafe den dritten Hund in einer Mulde begrub.
Irgendwann
aber da kamen neue Schäfer, wieder begleitet von drei Hunden, die
sie sorgsam an Ketten gelegt hatten. „Ihr lieben Schäflein“,
riefen sie, „ihr werdet auf dieser Welt niemanden finden, der es
besser mit euch meint als wir. Merkt ihr es denn noch nicht: Jetzt,
wo die Sonne so fürchterlich brennt, schwitzt ihr gar jämmerlich.
Euer Fell juckt und ihr wäret sicher glücklicher, wenn wir euch
davon befreiten.“
Da vergaßen
die Schafe die Zeit, als sie frisch geschoren bitterlich gefroren,
und sie träumten davon, die Last ihrer Wolle abgenommen zu bekommen.
Die Schäfer fuhren fort: „Und den Schmerz in euren Eutern können
wir euch auch nehmen.“ Die Schafe sahen einander an. Ja, die Euter
waren längst daran gewöhnt, immer wieder gemolken zu werden. Sie
hatten mehr Milch, als die Lämmer soffen.
„Wir
möchten euch ja nur warnen“, fuhren die Schäfer mit weichen
Stimmen fort. „Das Schlimmste für euch wären gelbe Schafe in
eurer Herde. Schwarze kennt ihr und sondert sie aus. Aber gelbe?! Die
müsste man unbedingt scheren und melken und ihre Lämmer schlachten
und überhaupt bedürfen sie der Hunde, die ihnen im Auftrage kluger
Schäfer zeigen, wohin sie laufen dürfen und wohin nicht, damit sie
euch nicht verderben. Das seht ihr doch ein?“
Den armen
Schafen wurde ganz unheimlich zumute: Gelbe Schafe … Wie bedrohlich
das klang! Ja, gegen gelbe Schafe musste man etwas tun. Und so
freuten sie sich auf den Schutz durch kluge Schäfer.
„Entscheidet
selbst“, beschworen sie die Männer, „wollt ihr, dass wir uns mit
unseren Händen, unserer Schere und unseren Hunden um die gelben
Schafe kümmern?“
Die Schafe
aber, die noch nie zuvor von gelben Schafen gehört hatten, blökten
zustimmend. Schon tauchten neue Bergsteiger zwischen den Gipfeln auf.
Einer von ihnen wies sich aus als „Fachmann für schafspezifische
Erkrankungen“, man dürfe ihn Arzt nennen und er werde nun ein
Schaf nach dem anderen untersuchen. Jedes von ihm in Augenschein
genommene Schaf aber bekam ein Zertifikat umgehängt. Darauf stand:
„Gesund, aber farbenblind“.
Nun wurden
sie, wieder einzeln, zum zweiten neuen Bergsteiger geschickt, auf
dessen Visitenkarte stand: „Unabhängiger Spezialist im Institut
zur Begutachtung visuell erkennbarer Abnormitäten in regional
abgelegenen Schafspopulationen“, worunter sich keines der Schafe
etwas vorstellen konnte. Jedem jedoch erklärte der Spezialist mit
trauriger Stimme, aber was noch wichtiger war, er hängte es ihm als
Schild um, damit es alle anderen Schafe lesen konnten: „Dieses
Schaf ist gelb.“
Wie entsetzt
betrachteten einander nun die Schafe! Mal schauten sie sich aufs
Fell, mal auf jenes Dokument, das in verschnörkelter Schrift
überschrieben war mit „Gutachten“. Noch vermeinten sie zwar,
Ihresgleichen zu sehen, die weiß, wenn auch leicht verschmutzt
waren, aber wenn dort stand, sie seien gelb, dann waren sie es wohl.
Wie leicht
hatten es nun die Hunde, die sie und die anderen Schafe fürchtenden
Schafe dorthin zu treiben, wohin die Schäfer sie haben wollten. Als
die ersten Lämmer herangewachsen waren, bedurften sie des Gutachtens
nicht mehr: Sie hatten längst gelernt, dass sie gelb waren – und
was das bedeutete. Und sollte es eines nicht gleich glauben wollen,
so wurde es geschlachtet oder es kam aus dem großen schönen Haus
der Gutachters überzeugt zurück, gelb und farbenblind zu sein.
Und wenn sie
nicht gestorben sind, … dann schlachten die Schäfer noch immer zu
Ostern nur Lämmer mit gelbem Fell, und sie scheren Schafe, wenn auch
nur noch zum Vergnügen für Nichtschäfer, denn die Zeit, da sie
sich in die warme, aber grobe Wolle der gutmütigen Tiere hätten
hüllen wollen, ist längst schon Vergangenheit ....
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Tiere
Das Freitagsgedicht (49)
Bereicherung
Zwei Menschen haben mein Gedicht gelesen
von Armen und Reichtum auf dieser Welt.
Es half den beiden beim Genesen
vom Virus namens Jagd nach Geld.
Die Verse haben mir noch nicht gefallen,
die Reime waren weder rein noch gut.
Ich zeigte sie herum trotz allem.
Welch selbstgerechter Übermut.
Und dennoch sind sie nutzvoll angekommen.
Sie starben nicht im eitlen Kunstvergleich.
Schon der Versuch wurd' angenommen
und meine Freude macht mich reich.
Wie fern ist doch die Kunst dem Leben,
denn Reichtum bringt, sie fortzugeben.
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Freitagsgedicht
Das Freitagsgedicht (48)
Lemminge
Vielleicht ists schlimm, voll
Herdentrieb zu sein.
Mein
Schicksal hängt am Fuße eines andern.
Ich fühl mich wohl, ich bin ja nie
allein.
Doch kopflos werd´ ich in den Abgrund
wandern.
Die Ahnung drückt mit wachsendem
Gewicht.
Um mich herum seh ich nur
Lemmingmassen,
Nur wo der Ausweg wäre, seh ich nicht
und möchte doch das Unfassbare fassen.
Ich laufe keinen andren hinterdrein,
woraus
auch immer die die Richtung grad gewonnen.
Doch rettete ich mich allein,
wär alle Freiheit
mir zur Einsamkeit geronnen.
Ein Lemming lebt auf
dieser Erde
nun einmal glücklich
nur in seiner Herde.
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Freitagsgedicht
Wer auf die Bühne steigt ...
... übernimmt damit eine Verantwortung. Er fabriziert sich nicht nur selbst, sondern er ist in dem Moment zuständig für die Zeit seiner Zuhörer. Die müssen nachher sagen können, es war schön, meine Minuten genau für diese Wahlmöglichkeit verausgabt zu haben (und nicht: Wär ich lieber daheim geblieben. Ich hätte die Texte auch lesen können.)
Der Künstler ist dabei sowohl zuständig für seine Botschaft als auch dafür, dass sie ankommt. Deshalb sollte er ausreichend sich selbst testen, dass er sich möglichst auch unter widrigen Umständen in einen Zustand hineinsteigert, aus dem heraus ein Publikum mitreißen kann.
Lesungen im engeren Sinn sind ein Sonderfall, weil das Publikum "nur" jemanden erwartet, der liest. Ist ein "Programm" angekündigt, muss auch eines kommen.
Der Künstler ist dabei sowohl zuständig für seine Botschaft als auch dafür, dass sie ankommt. Deshalb sollte er ausreichend sich selbst testen, dass er sich möglichst auch unter widrigen Umständen in einen Zustand hineinsteigert, aus dem heraus ein Publikum mitreißen kann.
Lesungen im engeren Sinn sind ein Sonderfall, weil das Publikum "nur" jemanden erwartet, der liest. Ist ein "Programm" angekündigt, muss auch eines kommen.
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Lesungsnachbereitung
Nicht so gut gewesen ...
Nun muss ich in mich gehen: Es kann nicht jeder alles. Slov ant Gali ist eben eigentlich kein Showtyp, der alle Unsicherheit überspielen kann.Das BAIZ sollte man kennen - auch wenn nicht vorübergehend Hinterzimmer-Rauchverbot vereinbart wurde:
Es begann mit der Unsicherheit der Anfangszeit. Auf FB stand 19.00 Uhr, im Programmheft 20.00 Uhr, angefangen haben wir 20.05 Uhr und der Raum überfüllt hatte sich dann um 21.00 Uhr. Das war besonders problematisch, weil mehrmals Stühle nachträglich aufgestellt wurden. Vielleicht wäre ich besser beraten gewesen, meinen Prosatext zu lesen, mich am Blatt festzukrallen und unabhängig, was im Raum passierte, die Pointe anzusteuern. Das wäre zwar für die meisten Zuhörer ungünstig gewesen, weil sie den Anfang nicht erlebt hatten, aber ich hätte wenigstens mich selbst im Griff gehabt. Vielleicht ... nein: Ich werde nie Gedichte und Lieder richtig lernen. Ich brauche den Text vor Augen ... und der verschwamm vor eben diesen in Anbetracht des Blendlichts total. Ergo: Knapp an der glatten Sechs vorbei ... und das geht halt nur, wie das Programm andeuten sollt, nur, wenn ein Papi da ist, durch den man keine Divi-sion braucht, weil man Divi-dende kassiert. Gut fürs Publikum: Als nächster war Frank Viehweg dran - der konnte nicht nur mit der Situation spielen, sondern auch fesselnd singen ... (in der späten Pause flüchtete ich in meine Krankheit ...hoffentlich fiel das keinem der dann antretenden Künstler auf - die Chance wegen de Überfüllung war groß)
(Fotos: Patricia Heidrich)

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Lesungsnachbereitung
Das Freitagsgedicht (47)
bei
vollmond
das klare wasser
spiegelte
den wölfen
menschengesichter
entgegen
entgegen
da heulten sie
ihr leid
zum mond
als sie danach aber
ihre fänge
als sie danach aber
ihre fänge
im wasser kühlten
und den durst löschten
waren sie wieder
wölfe
waren sie wieder
wölfe
am waldrand
wir belachten
am lagerfeuer
die abwegige fantasie
des fabulierenden indianers
welch unsinn
klares wasser
da hätte kein wolf
geheult
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Freitagsgedicht
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