... übernimmt damit eine Verantwortung. Er fabriziert sich nicht nur selbst, sondern er ist in dem Moment zuständig für die Zeit seiner Zuhörer. Die müssen nachher sagen können, es war schön, meine Minuten genau für diese Wahlmöglichkeit verausgabt zu haben (und nicht: Wär ich lieber daheim geblieben. Ich hätte die Texte auch lesen können.)
Der Künstler ist dabei sowohl zuständig für seine Botschaft als auch dafür, dass sie ankommt. Deshalb sollte er ausreichend sich selbst testen, dass er sich möglichst auch unter widrigen Umständen in einen Zustand hineinsteigert, aus dem heraus ein Publikum mitreißen kann.
Lesungen im engeren Sinn sind ein Sonderfall, weil das Publikum "nur" jemanden erwartet, der liest. Ist ein "Programm" angekündigt, muss auch eines kommen.
Wer auf die Bühne steigt ...
Nicht so gut gewesen ...
Nun muss ich in mich gehen: Es kann nicht jeder alles. Slov ant Gali ist eben eigentlich kein Showtyp, der alle Unsicherheit überspielen kann.Das BAIZ sollte man kennen - auch wenn nicht vorübergehend Hinterzimmer-Rauchverbot vereinbart wurde:
Es begann mit der Unsicherheit der Anfangszeit. Auf FB stand 19.00 Uhr, im Programmheft 20.00 Uhr, angefangen haben wir 20.05 Uhr und der Raum überfüllt hatte sich dann um 21.00 Uhr. Das war besonders problematisch, weil mehrmals Stühle nachträglich aufgestellt wurden. Vielleicht wäre ich besser beraten gewesen, meinen Prosatext zu lesen, mich am Blatt festzukrallen und unabhängig, was im Raum passierte, die Pointe anzusteuern. Das wäre zwar für die meisten Zuhörer ungünstig gewesen, weil sie den Anfang nicht erlebt hatten, aber ich hätte wenigstens mich selbst im Griff gehabt. Vielleicht ... nein: Ich werde nie Gedichte und Lieder richtig lernen. Ich brauche den Text vor Augen ... und der verschwamm vor eben diesen in Anbetracht des Blendlichts total. Ergo: Knapp an der glatten Sechs vorbei ... und das geht halt nur, wie das Programm andeuten sollt, nur, wenn ein Papi da ist, durch den man keine Divi-sion braucht, weil man Divi-dende kassiert. Gut fürs Publikum: Als nächster war Frank Viehweg dran - der konnte nicht nur mit der Situation spielen, sondern auch fesselnd singen ... (in der späten Pause flüchtete ich in meine Krankheit ...hoffentlich fiel das keinem der dann antretenden Künstler auf - die Chance wegen de Überfüllung war groß)
(Fotos: Patricia Heidrich)

Das Freitagsgedicht (47)
bei
vollmond
das klare wasser
spiegelte
den wölfen
menschengesichter
entgegen
entgegen
da heulten sie
ihr leid
zum mond
als sie danach aber
ihre fänge
als sie danach aber
ihre fänge
im wasser kühlten
und den durst löschten
waren sie wieder
wölfe
waren sie wieder
wölfe
am waldrand
wir belachten
am lagerfeuer
die abwegige fantasie
des fabulierenden indianers
welch unsinn
klares wasser
da hätte kein wolf
geheult
Das Freitagsgedicht (46)
Animageddon
Ein vergeblich untergetauchter Lachs
spuckt
singend
Blut in
die Flut.
Ein
schwitzender Eisbär
bräunt
sich sein
Unschuldsfell.
Myriaden
von Spatzen
ersäufen
Krümelverweigerer
im
endlos steigenden
Wattenmeer.
Eine weinende Eule
verabschiedet
letzte Menschen
aus dem
Licht.
Ratten
buchstabieren
Op-tions-schein.
Durch
die breiten Straßen
Frankfurts
treiben
Bullen
und Bären
Nadelstreifen
ins Nichts.
Das Freitagsgedicht (45)
Jahreswechsel
Komm,
ich reim dir eine Sonne
in
das neue Jahr hinein
und
die wird kein böses Zeichen
für
den Klimawandel sein.
Komm,
ich häng in unsern Kirschbaum
einen
Mond mit Sichelform
und
bedecke dich mit Küssen,
denn
die kleiden dich enorm.
Für
verträumte Augenblicke
schieb
sie weg, die böse Welt.
Pfeif
auf Ticketautomaten!
Bleibst
du hier, fehlt uns kein Geld .
Das Freitagsgedicht (44)
Pietät?
Auf welche Weise
sollten wir ihn
beerdigen?
Im Eichensarg
vor dem letzten Weg
von bezahlten Kosmetikern
zu jugendlicher Scheinfrische geschönt?
Noch einmal mit krematorialer
Rauchfahne verkündend,
vom Vertreter Gottes auf Erden
sind wir erlöst?
Oder sorgen wir dafür,
dass seine Spuren sich
auf der Erde verlieren?
Vielleicht fertigen wir noch
eine kunstvolle Urne,
dass nach Jahrtausenden
verwunderte Baumeister
auf erfrischter Krume
etwas finden, um sich zu wundern.
Ja, werden sie sagen,
damals, werden sie sagen,
war die Zeit des Schwarzkünstlers
mit den vielen Pseudonymen.
So viele vergessen sein werden,
die Urne ziert nur
KAPITALISMUS.
Das Freitagsgedicht (43 a)
AUS
wirzeit
weltraumkalt
weltraumkalt
unsere liebe
erfroren
kristalle atmen
ins leere
nichts
trägt mehr
töne
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