Das Freitagsgedicht (39)


Von den Träumern


Es lebten einst drei Träumer
in einer fernen Welt
des vorgestellten Reichtums
an virtuellem Geld.

***

Der erste ging geschäftig
des Tages Pflichten nach.
Er hatt´so viel vergessen,
längst lag er hälftig brach.

Doch ging er abends schlafen
dann lauerte ein Traum
mit albig schwerem Drucke
von früh gefälltem Baum.

Der Träumer hofft´ am Tage,
ihn quält die Hektik nicht,
und fühlt´ den Druck der Pflichten
zur Nacht als Baumgewicht.

Der Träumer flieht die Nächte,
der Träumer hasst den Tag,
weil er sie alle beide
so ganz und gar nicht mag.

Es steckt in jedem Tage
die Nacht und auch der Tag.
Das lässt sich nicht verändern,
selbst, wenn man es nicht mag.

***

Der zweite Träumer aber
erträumt in jeder Nacht,
wie schön für ihn der Tag wär,
was er dort hätt vollbracht.

Und jeder Morgen sagt ihm,
bald ist der Tag vorbei,
bald darfst du wieder träumen,
bald bist du wieder frei.

Den Tag zu überstehen
ist ihm sein höchster Sinn.
So gehen seine Jahre
als Traumnachtreihe hin.

Er will die geldnen Zahlen
im Lichte überstehn,
kann er danach im Dunklen
was traumhaft Schönes sehn.

Es steckt in jedem Tage
die Nacht und auch der Tag.
Das lässt sich nicht verändern,
selbst, wenn man es nicht mag.

***

Der dritte Träumer aber
pflückt seinen guten Traum
zur Nacht als roten Apfel
am Tag vom Apfelbaum.

Er will die Träume leben,
die er sich ausgewählt,
an Stelle leeren Geldes
fragt er, was wirklich zählt.

Er träumt in seinem Schaffen,
er schafft in seinem Traum,
er sieht vor lauter Träumen
die Albtraumzeiten kaum.

Die wollen ihn umfangen
mit einem Strick von Angst.
„Dir Träumer fehlt das Kleine,
um das du täglich bangst.

Es steckt in jedem Tage
die Nacht und auch der Tag.
Das wird auch nicht verändern,
wer es wohl ändern mag.“

***

Die drei verletzten Träumer
sie trafen sich am Tisch.
Zwei waren ziemlich müde,
der dritte schien noch frisch.

Der hat ein Lied gesungen:
„Singt Träume in die Welt,
damit sie tags und nächtens
uns richtig gut gefällt.“

Ihr denkt, ich sei der Träumer
am Tisch mit Nummer vier?
Wir hätten uns geeinigt
bei Rotwein, Cognac, Bier?

Ich muss euch da enttäuschen:
Es stand ein jeder auf,
mit seinen eignen Träumen,
die Welt nahm ihren Lauf.

Die Träumer sind am Sterben,
so langsam, nach und nach.
Die Welt des Virtuellen
wird leer und taub und brach.

***

Kommt, gehen wir zum Tischler
mit einem Auftrag hin:
Mach uns ein Bett für Riesen
mit Platz zum Träumen drin!

Bringt her die Schaummatratzen!
bringt her ein grenzenloses Zelt!
wir wollen träumend bauen
die geldlos schöne Welt!

Kommt alle rein, ihr Träumer,
solang es euch noch gibt!
Kommt, träumen wir zusammen,
wie man sich alblos liebt!

Es steckt in jedem Tage
die Nacht und auch der Tag.
Doch kann man sie gestalten,
bis man sie beide mag. 

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