3 Gedichte zum 11. September 1973, dem CIA-Verbrechen an Chile

Ein chilenischer Traum

im kreißsaal der geschichte / sind die bilder noch frisch
von der ohne schmerz und wehenmittel / eingeleiteten entbindung

keine gewalt / hatte dem köpfchen / der Unidad Popular
den blick auf eine menschlichere zukunft frei gemacht
die ersten liter milch / waren schon verteilt

manche hebamme / wischte heimlich tränen ab:
könnte nicht jedes neue kind / so friedlich / geboren werden?

da kam die generalsjunta / vom antizukunftsgeburtsamt
und sie zertrümmerte / kind und dichter und
erstickte gesänge der hoffnung

doch im so gewandelten eissaal der geschichte
hauchten schon die nächsten Schwestervölker
in die steif gefrorenen hände.
Patcha Mama bleibt fruchtbar / sie nimmt sich die Zeit
damit eine bessere Welt heranwachsen kann.

Für Victor Jara, 1973


Verloren ging mein elfter September.

Es ist der Tag nicht, den sie besetzten!

Niemand wurzelt aus ihm seinen Terror.

Mein elfter September liegt in älterem Grab.

Meiner ließ die Gitarre brechen.

Meiner ließ die Hände zerschlagen.

Meiner ließ Hoffende erschießen.

Wenn du das unscheinbare Grab findest,
setze darauf eine Rose.



Am Ozean dem Stillen

Welch Großer Gesang
Und die Kordillieren verteilten sein Echo
Und die sich an Händen hielten wurden mehr und mehr
Und sie einte Weg und Ziel sie hatten frei gewählt
Und es schien Frieden mit denen deren Leben Krieg war
denn Menschlichsein heißt auch sich irren.

Die Judasse aber nahmen Silberlinge
Die Generäle gehorchten denen die das Geld gaben
Die befahlen tötet alle die ihre Stimme erheben

Die Treuen traf es zuerst
Trauriger Tag als der Tod Allende fand 
Und der Poet dichtete nicht mehr
Und der Sänger sang nicht mehr
Und die Saiten der Gitarre schlug niemand mehr an
Aber im Echo lebte der Große Gesang weiter
Zwischen Schnee und Eis blickte der Gipfel des Cerro El Roble hoffend zum Himmel

denn nie gehört die Ewigkeit den Mördern

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